Profis auf De Rosa

1958 lernte Ugo De Rosa den Rennfahrer Raphael Geminiani kennen – dieser war erst selbst Profi und später sportlicher Leiter des Teams Saint Raphael-Géminiani-Dunlop von Jean Anquetil – und erhielt von ihm den Auftrag, einen Rahmen für seine Teilnahme am Giro d'Italia zu bauen. Ugo De Rosa erinnert sich an seinen Einstieg in den Profi-Radsport: »Er war nach Mailand zu einem Treffen auf der Vigorelli-Bahn gekommen und hatte kein Rad dabei. Er benötigte dringend eines und kam zu mir – er hat es ausprobiert, fand es wunderschön und bot mir an, sein Mechaniker zu werden.« Er nahm das Angebot an – eine Wahl, die seine ganze weiter Laufbahn bestimmen sollte.

Dies war nur der Anfang. Es folgte das Team Faema von Rik Van Looy. Von Gastone Nencini 1967 zu Max Meyer geholt, lernte er dort Gianni Motta kennen – und dies führte zu einer wahrlich schicksalhaften Begegnung für seine Karriere – mit Eddy Merckx. Er war der wohl bekannteste Fahrer auf De Rosa und ist noch heute ein sehr enger Freund der Familie.

Ugo De Rosa beschreibt sein erstes Zusammentreffen mit ihm: »Der Beginn war eigentlich eine Auseinandersetzung. Eddy fuhr die Sixdays in Mailand. Eines Abends ging ich hin, um ihn zu treffen, stieg zur Bahn hinunter – und er fuhr mich an: `Warum willst du mir kein Rad bauen? In meinem ganzen Leben habe ich noch nie einen so eingebildeten Rahmenbauer getroffen!´ Ich fiel aus allen Wolken, wurde tiefrot und fragte `Was für ein Rad?´ Eddy erklärte mir daraufhin, dass er darüber seit Monaten mit Motta gesprochen hatte, aber Gianni hatte sich wohl gehütet, mich darauf anzusprechen. Nachdem dieses Missverständnis geklärt war, begann unsere intensive Zusammenarbeit…«
Er sagt über Merckx: »Eddy war überaus gewissenhaft – ein echter Perfektionist. Ich werde eine Begebenheit nie vergessen: in der Vorbereitung auf Mailand – Sanremo `75 testeten wir eine Reihe neuer Gabeln am Poggio. Vier, fünf, sechs Abfahrten mit ebenso vielen Gabeln und verschiedenen Neigungen… Alles lief prima, Eddy gewann das sechste Mailand – Sanremo und schlug den jungen Francesco Moser.«

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere 1978 erlernte Eddy Merckx von Ugo de Rosa das Handwerk des Rahmenbaus und gründete später seine eigene Firma. Die Trikots seiner vier großen Erfolge im Jahre 1974 – Tour de Suisse, Giro d´Italia, Tour de France und die Weltmeisterschaft – sind heute eingerahmt in Ugo De Rosas Büro zu sehen.

Viele Rennfahrer und Teams kamen zu ihm, um ein Rad zu fahren »gemacht, wie Gott es befohlen hat«. 1973 trug das erste Rad als Markenzeichen das De Rosa-Herz, das in der Zweirad-Welt zum Qualitätssiegel wurde. In den 80er Jahren etablierte sich das »bici del cuore« – das Rad mit Herz – erst im Sammontana Team mit Moreno Argentin, Gianbattista Baronchelli und Claudio Corti, dann bei Ariostea mit Giancarlo Ferretti. Die 90er waren die von Gewiss, später von Riso Scotti – geprägt von Moreno Argentin und Jewgeni Bersin. Zahlreiche Siege – vom Giro d´Italia über Lüttich-Bastonne, von San Remo bis Flèche Walonne. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schmückten De Rosa die Farben des Weltmeisters – dank des Sprintsieges von Roman Vainsteins, der Lette von Vini Caldirola, dem es gelang, am Ziel in Plouay alle in Grund und Boden zu fahren… Sein Merak von 2000 ist mittlerweile zum Liebhaberstück geworden.

So war und ist De Rosa in der Profi-Szene immer präsent – auf Rädern von Ugo De Rosa fuhren ebenso Jewgeni Bersin, Sergei Gonchar, Francesco Casagrande, Fabio Baldato, Franco Pellizzotti und Miguel Indurain, Mario Cipollini, Stefano Garzelli, Danilo Di Luca und Alessandro Petacchi.
Viele berühmte Fahrer und zahlreiche Profi-Erfolge säumen De Rosas Rahmenbaugeschichte des letzten halben Jahrhunderts – und sie dauern an.
In 2010 war De Rosa erstmals Haupt- und Namenssponsor eines Profi-Teams: De Rosa – Stac Plastic, in 2011 De Rosa Flaminia